Das Jahr 2016 steht für eine Reihe besorgniserregender Entwicklungen in Deutschland. Zum ersten Mal wurde eine Serie von Anschlägen von Unterstützern des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) erfolgreich durchgeführt. Zudem hat die Salienz antimuslimisch-rassistischer Diskurse und Praktiken ein bisher unbekanntes Ausmaß erreicht.

Islamfeindliche Einstellungen werden von der Hälfte der Bevölkerung in Deutschland unterstützt. Im Jahr 2016 wurde deutlich, dass etwa 20 Prozent dieser Personen nun auch bereit sind, diese Haltung in ihrer Wahlentscheidung auszudrücken. Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD), deren politische Führung im Jahr 2016 explizit mit islamfeindlichen Aussagen mobilisierte, erzielte in Regionalwahlen zwischen 12 und 24 Prozent der Stimmen und zog in fünf Länderparlamente ein. Ein Viertel der Bevölkerung in den neuen und alten Bundesländern unterstützt zudem die Ziele der Protestbewegung Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA ). 2016 gab es im ganzen Land jede Woche mehrere Demonstrationen dieser oder ähnlicher Gruppierungen. Die Zahl fremdenfeindlicher Anschläge auf Unterkünfte für Geflüchtete, die sich 2015 im Vergleich zu den Vorjahren vervierfacht hatte, blieb 2016 auf einem alarmierend hohen Niveau. Die Behörden verzeichneten einen deutschlandweiten Durchschnitt von 17 Anschlägen pro Woche, während eine Auswertung von Berichten in Lokalzeitungen sogar einen Durchschnitt von 37 Übergriffen pro Woche ergab.

Institutionelle Abläufe schreiben – häufig unbeabsichtigt – Islamfeindlichkeit, wie auch andere zeitgenössische Formen der Voreingenommenheit in verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeit fort. Der vorliegende Bericht diskutiert den quantitativen und qualitativen Wissensbestand zur Manifestation von direkter und indirekter struktureller Diskriminierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, dem Strafjustizsystem wie auch in der Berichterstattung in den Print- und sozialen Medien. Die Datenlage in diesen Bereichen des öffentlichen Lebens verweist auf den Fortbestand und sogar die Zunahme der Diskriminierung von Menschen, in deren Selbstbeschreibung die Zugehörigkeit zum Islam eine Rolle spielt, oder die von anderen als MuslimInnen wahrgenommen werden.

Es ist zu erwarten, dass die in diesem Bericht skizzierten Entwicklungen den Wahlkampf und den Ausgang der Wahlen zum deutschen Bundestag im Herbst 2017 nachhaltig beeinflussen werden.

http://www.islamophobiaeurope.com/wp-content/uploads/2017/05/Analyse_33.pdf